Body & Soul

Endlich Zeit zum Niksen

Wie uns die holländische Wellness das Nichtstun lehrt

Wann macht man eigentlich mal gar nichts? Fast nie. Darum wird es Zeit, das Nichtstun zu feiern und sich einfach mal hinzusetzen und genau das zu tun: niksen.

Niksen ist die niederländische Idee der absoluten Entschleunigung. Und sie wird immer populärer. Gar nichts tun und die pure Entspannung genießen. Das hört sich gleichermaßen fantastisch wie einfach an. In Wirklichkeit ist es das aber gar nicht.Was ist also dran am neuen Wellness-Konzept der Holländer?

Glücksformeln made in Skandinavien
Die Skandinavier haben die Kunst der Entschleunigung wunderbar perfektioniert. Zuerst war da Hygge, der dänische Trend feierte das Zuhausebleiben und Gemütlichkeit. Kuscheln war plötzlich cool. Generell tun unsere nordischen Nachbarn alles in Maßen. Die Schweden haben dafür sogar ein eigenes Wort: „lagom“.

Das bedeutet frei übersetzt soviel wie „genau richtig“ und steht für die schwedische Lebensphilosophie, alles in Balance zu halten. Kein Wunder, dass die Dänen und Schweden zu den glücklichsten Menschen der Welt zählen. So unglaublich, wie es sich anhört: Die Holländer legen noch eins drauf, wenn es um Glücksbalance geht.

Die Niederländer tun einfach mal nichts und nennen das „Niksen“. Das Nichtstun ohne einen bestimmten Zweck. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich der Körper am besten erholt, wenn man absolut nichts tut.

Dafür braucht man keinen Grund, keinen Plan und auch kein Ziel. Was im ersten Moment wie vollkommen grundloses Herumsitzen und Tagträumen erscheint, gibt besonders viel neue Energie. Es hilft zum Beispiel bei Burnout besonders gut, das Glücksempfinden ganz neu zu entdecken.

Wie funktioniert Niksen?
Nichtstun kann unfassbar anstrengen. Denn wir sind nicht daran gewöhnt, absolut gar nichts zu machen. Ist es nicht fast ein bisschen absurd, dass man zum Nichtstun eine Anleitung braucht? Beim Niksen geht es übrigens nicht darum, die Achtsamkeit zu schärfen. Ein Ziel ist es eher, bewusst unachtsam zu sein.

Die meisten verlernen im hektischen Alltag, das Nichtstun zu genießen. Denn sind wir mal ganz ehrlich; irgendwas tut man immer: lesen, netflixen, zum Yoga gehen oder die nächste Reise planen. Das alles verfolgt ein Ziel, was nach konkreten Handlungen verlangt: das Buch zu Ende lesen, den Serienmarathon zu überstehen, den Körper auf Trab bringen oder ein Ticket zu buchen. Vom ganz normalen Alltags-Wahnsinn mit Job, Haushalt und Sozial-Leben mal ganz zu scheigen.

Nichtstun ohne schlechtes Gewissen
Niksen bedeutet aber tatsächlich, alles stehen und liegen zu lassen und ohne schlechtes Gewissen den ganz persönlichen Standby-Modus zu genießen: Wirklich gar nichts zu tun. Bestenfalls sitzt man auf dem Sessel und schaut planlos aus dem Fenster. Die Gedanken schweifen, man konzentriert sich auf nichts bis man auf einmal bemerkt, dass man an nichts gedacht hat.

Man nikst nicht aktiv, es passiert einfach – während man im Gras liegt und in den Himmel schaut oder am Fluss ganz in Ruhe den Booten zuschaut, wie sie auf dem schaukelnden Wasser dahintreiben. Übrigens niksen die Holländer natürlich nicht den ganzen Tag. Niksen funktioniert schon in kleinen Abschnitten oder kurzen Momenten.

Mit der holländischen Glücksformel tankt man Körper und Geist auf. Das hilft, sich dem täglichen Alltags-Programm viel entspannter zu stellen. Nach einer Runde Niksen fällt es viel leichter, sich zu konzentrieren, Entscheidungen zu treffen oder kreativ zu werden.

Es ist also überhaupt nicht schlimm, genau jetzt und hier sitzen zu bleiben, vor sich hin zu starren und die Gedanken auf Durchzug zu schalten. Mehr Niksen tut uns allen gut.